Travel | Fränkli & Grüezi
13062
post-template-default,single,single-post,postid-13062,single-format-standard,ajax_fade,page_not_loaded,,qode-title-hidden,qode_grid_1300,footer_responsive_adv,qode-theme-ver-10.1.2,wpb-js-composer js-comp-ver-5.1,vc_responsive

Fränkli & Grüezi

Würziges Fondue, feingliedrige Uhren und süße Schokolade. Banken, Geld und Shoppingmeile. Wilhelm Tell und sein Apfel. Es gibt Vieles, das sich mit der schweizer Stadt in Verbindung bringen lässt, und noch viel mehr, was auf den ersten Blick verborgen bleibt. Quality wagt mit dem Designer Julian Zigerli einen Streifzug durch den Underground der “großen kleinen Stadt” am Zürcher See.

Foto: Bruno Macor

Foto: Bruno Macor

Da gibt es den Nationalhelden Wilhelm Tell, das war der mit dem Apfel, der den großen deutschen Dichter Schiller zu einem Bühnenstück inspirierte. Und die Schweizer werden nicht müde, es immer und immer wieder aufzuführen. Zürich: das sind Bankiers, viel Geld und teuerster Shopping-Boulevard der Welt, Fluchtort für arbeitslose Europäer. Zürich ist geordnet und neutral, zählt mit Singapur, Riga und Kopenhagen zu den saubersten Städten der Welt. Hier beobachtet man eher selten Menschen beim unaufmerksamen Wegschnippen einer Zigarettenkippe oder Wegwerfen von Kaugummipapier. Was sich in vielen anderen Orten in den Alltag eingeschlichen hat, bleibt in Zürich Seltenheit: für eine saubere Stadt. In Berlin gibt es Neukölln, mittlerweile ein Szeneviertel, es gibt Marzahn, Problembezirk. In New York bleiben es immer Harlem und die Bronx. In Zürich? Die Namensgebung scheint weniger kreativ. Kreis 1 – 12 stellt wohl ihre Liebe zu Zahlen unter Beweis. Banker, Fondue, Schokolade und nicht zu vergessen Uhren: alles Schweizer Markenzeichen des neutralen, renommierten Staates in Europa.

Das Hotel Widder

Das Hotel Widder

Aber man verfehlte die „Große kleine Stadt“ am Zürcher See, wenn man sie auf die Banalitäten eines Durchschnitttouristen reduzieren würde. Zürich hat viele verborgene Tiefen und man glaubt es kaum, auch eine andere Seite. Die allerdings so versteckt ist, dass in diesem Zusammenhang das Wort „Underground“ tatsächlich ernst genommen werden kann  in seiner echten, tiefen Bedeutung.
Um derartig verborgene Locations aufzutun, braucht man vor allem eines: gute Kontakte. In Modedesigner Julian Zigerli haben wir einen absoluten Volltreffer gelandet. Er liebt seine Heimat, unmöglich das während des Interviews verbergen zu können. Aber warum auch. Nach 6-jährigem Modeasyl in Berlin kehrt er vor drei Jahren nach Zürich zurück und fackelt nicht lange, als es darum geht, sein eigenes Label zu gründen. Jetzt lebt und arbeitet das neue, junge Talent in Zürich und fühlt sich pudelwohl. Auch wenn zwingende Ausflüge nach New York, immer wieder Berlin, Paris, Mailand und London eine gelungene und noch mehr willkommene Abwechslung bedeuten, ist Zürich wieder zu seinem Lebensmittelpunkt geworden, zu Hause eben. Um dem ganzen Trubel manchmal zu entgehen, geht er am liebsten im nahegelegenen Park joggen. Da gibt es eine kleine Grünfläche, die verspricht Natur pur ohne Touristenschwärme. Was sich allerdings bei Erscheinen des Quality Magazins schlagartig ändern würde, verrieten wir die genauen Koordinaten. Denn wer möchte nicht gerne einem smarten, gutaussehenden Single-Designer beim Gedankenschweifen zusehen.

Im Viadukt

Im Viadukt

Am Abend trifft man den jungen Zigerli hingegen gerne in der Langstraße an, oder „Longstreet“, wie die eingefleischten Zürcher sagen. Umgeben von Bars und Cafés gilt besonders der Kreis 4, jener Bezirk in dem sich auch sein Atelier befindet, als Szene Hot Spot. Als treuer Gast wird sich am Feierabend gerne mal das ein oder andere Bier in der Sports Bar gegönnt. Die wohlverdiente Pause vom harten Designeralltag. „Wir sind alle noch sehr jung und gehen gerne aus – da hat Zürich einiges zu bieten, es wird nie langweilig. Bedenkt man dabei die Einwohnerzahl, ist das eigentlich unglaublich!“, so Zigerli. Im Ausgleich zu Stress und Hektik, dient ihm Zürich als perfekter Lebensmittelpunkt und gleichzeitig als enorme Inspiration. Seine Entwürfe vereinen auf unbeschwerte Weise Lebensfreude und viel Liebe zum Detail. Die besondere Natur und Aura der Schweiz scheinen sich auf das Leben und Schaffen des Designers positiv auszuwirken. Was er am meisten an seinen Landsleuten schätzt? Freundlichkeit, Ehrlichkeit und Offenheit – doch scheint ihm hin und wieder auch die derbe ‚Berliner Schnauze‘ zu fehlen. Zum Netzwerken und besonders zur Präsentation seiner neuesten Kollektion verschlägt es Zigerli zurück in die deutsche Hauptstadt. So scheint er nicht mit und auch nicht ohne zu können. Ein Leben als Spagat zwischen Städten, die konträrer nicht sein könnten. Wir sind jedenfalls gespannt auf die neuste Kollektion des „deutschen Schweizer“ im kommenden Januar. Ob abermals sein Heimatbezug in der Mode wahrnehmbar ist? Wir werden sehen.

…den gesamten Artikel lesen Sie in  der neuen Quality Special!

No Comments

Sorry, the comment form is closed at this time.

%d Bloggern gefällt das: