Berlin moves - Travel
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Berlin moves

Wer Berlin gut kennt, liebt es oder hasst es. Berlin polarisiert wie wohl kaum eine andere Stadt. Einst politische und kulturelle Drehscheibe zwischen Ost und West, ist Berlin heute eine internationale Drehscheibe, vor allem auch für die sogenannte Off-Kultur, die in anderen Metropolen dieser Welt fortschreitend an deren Ränder verdrängt wird. Berlin hat sich überall Nischen bewahrt, für nahezu alle städtischen Lebensweisen. Berlin ist weiß Gott nicht elegant wie Paris oder Mailand, Berlin ist vielmehr unangepasst, schräg und schrill, zuweilen auch komisch und grotesk. Diese Stadt zieht junge Menschen aus aller Welt an, vor allem Künstler jeglicher Couleur, die hier eine geeignete Plattform finden, um sich zu entfalten. Berlin ist Mythos, Berlin ist „retro“.

Die Bilder von Jens Rötzsch zeichnen in großer atmosphärischer Dichte ein Berlin jenseits der bekannten Touristenpfade, abseits des Mainstream. Sie zeigen eine Stadt in Bewegung, morbide und lebendig zugleich, eine Stadt, die sich ständig neu erfindet. Eine „Mischpoke“ – wie der Berliner sagt –, die Berlin und ihren Bewohnern ihren unverwechselbaren Charakter gibt: ein bisschen verrückt. Gemäß einem alten Gassenhauer aus dem 19. Jahrhundert: „Du bist verrückt mein Kind, du musst nach Berlin! Wo die Verrückten sind, da gehörst du hin!“

Making-Off aus den Dreharbeiten zu "Herr Lehmann" auf dem Originalmauerstreifen Bernauer Strasse

Making-Off aus den Dreharbeiten zu „Herr Lehmann“ auf dem Originalmauerstreifen Bernauer Strasse

Von Marlene Dietrich und Frank Sinatra, über David Bowie und Frank Zappa, bis hin zu U2, R.E.M. und Peter Fox haben sich viele Musiker vom rauen Charme Berlins inspirieren lassen. In unzähligen Songs wird die einst geteilte Weltmetropole an der Spree auf unterschiedliche Art und Weise porträtiert. Dieser vielschichtige Soundtrack wird dem Charakter der Stadt absolut gerecht. Doch auch die vielen unbekannten Straßenmusiker tragen ihren Teil zu diesem Soundtrack bei, es lohnt sich wirklich, ab und zu für ein paar Minuten stehen zu bleiben.

Spätestens seit dem Fall der Mauer ist Berlin im ständigen Aufbruch und gehört zweifellos in die Reihe der „Cities that never sleep“. Um das selbst zu erleben, spielt es gar keine Rolle, ob man sich durch das pulsierende Mitte bewegt, das nicht mehr ganz so wilde Kreuzberg besucht oder die wieder aufblühende City West erkundet. An allen Ecken entsteht Neues, daneben wird Altes wiederbelebt und zwischendrin finden sich die kleinen Geheimtipps, die jeder Großstadt das gewisse Extra verleihen.

"Party" kann Berlin am besten: ob im "Kiez" auf einem Salsa-Abend in der Kulturbrauerei am Prenzlauer Berg, im Club oder auf einem der vielen Vergnügungsschiffe der Spree oder vor dem Berliner Dom - Berlin "bewegt"!

„Party“ kann Berlin am besten: ob im „Kiez“ auf einem Salsa-Abend in der Kulturbrauerei am Prenzlauer Berg, im Club oder auf einem der vielen Vergnügungsschiffe der Spree oder vor dem Berliner Dom – Berlin „bewegt“!

Der Berliner teilt seine Stadt in Kieze ein, kleine Stadtgebiete, die die großen Bezirke in Inseln aufteilen und für ein identitätsstiftendes Zugehörigkeitsgefühl bei den Bewohnern sorgt. Wie kleine Orte in der großen Stadt drängen sich die verschiedenen Gebiete aneinander und glaubt man den jeweiligen Bewohnern, ist jeder Kiez, der wunderbarste von allen. Zweifellos ist jedes dieser Reviere auf seine Weise einzigartig. Mal etwas alternativer und nebenan eher gutbürgerlich, hier jung und flippig und drei Straßen weiter hochkreativ oder ganz exklusiv. Diese Vielschichtigkeit zeigt ein modernes, offenes und natürlich gewachsenes Berlin und ist Teil des besonderen Charmes dieser Stadt.

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Zunächst profitierte vor allem der Ostteil der Stadt von dem Fall der Mauer. Während die heute, insbesondere beim internationalen Publikum als hip geltenden Bezirke wie Mitte oder der Prenzlauer Berg, wie ein Phönix aus der Asche stiegen, bröckelte auf der anderen Seite die ehemals prunkvolle Fassade des Westens und verlor an Glanz. Mittlerweile ist die City West wieder da – glanzvoller denn je. Große Namen wie Louis Vuitton, Saint Laurent Paris und Prada kehrten fast unbemerkt auf den Kurfürstendamm zurück und bringen wieder das Gefühl von Luxus auf Berlins großen Shopping Boulevard. Auch Philipp Plein, Hermès und Brunello Cucinelli entschieden sich mit Ihren neuen Dependenzen für den Kurfürstendamm. So mausert sich diese Prachtstraße erneut zum eigentlichen Luxus Quartier der Stadt. Interessanterweise haben einige Luxusmarken diesen Trend frühzeitig erkannt und ihre Filialen in Mitte geschlossen, um sich auf Charlottenburg zu konzentrieren.

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Das traditionsreiche Kaufhaus des Westens hat in den letzten Jahren erfolgreich gegen die Wirtschaftskrise gekämpft und gehört noch immer zu den Pflichtadressen für jeden, der zum ersten Mal in der Hauptstadt verweilt. Hier wurde mit umfangreichen Renovierungsarbeiten und neuen attraktiven Abteilungen ein Zeichen gesetzt. Nach wie vor ist es ein Erlebnis, sich den kulinarischen Genüssen auf der Feinschmecker-Etage hinzugeben. Aber auch in anderen Bereichen kehren Glanz und Gloria zurück, der Starfrisör Shan Rahimkhan hat neben seinem Geschäft am Gendarmenmarkt einen beeindruckenden zweiten Salon auf dem Ku’damm eröffnet. Wie man es von ihm kennt, gibt es hier mehr als nur ein neues Styling, die angebotene leichte Küche passt perfekt in das Gesamtbild des Salons.

Die wundervoll instandgesetzten Räume des Grosz – benannt nach dem berühmten Maler George Grosz – passen hervorragend zur gebotenen kulinarischen Qualität. Hier hat der Betreiber des Restaurants Borchart ein weiteres Restaurant mit Kultcharakter etabliert. Gleich nebenan findet man den neu eröffneten Store des 14 oz., dort kann man Fashion fernab des Mainstreams erleben und natürlich auch kaufen. Selbstverständlich inklusive eines VIP Bereichs, der das Shopping Erlebnis noch entspannter gestaltet.

Berliner sind schwindelfrei - Ackerstrasse, Berlin-Mitte

Berliner sind schwindelfrei – Ackerstrasse, Berlin-Mitte

Ganz anders als im Grosz geht es im Focaccino zu. Riccardo Puglisi, der Betreiber des kleinen italienischen Restaurants, kümmert sich höchstpersönlich um seine Gäste. Nach wenigen Augenblicken fühlt man sich willkommen und umsorgt. Die offene und herzliche Art des Sizilianers passt perfekt zur fabelhaften Küche à la mamma. Das Restaurant Adnan, mit seinem illustren Gastwirt, ist seit nunmehr 10 Jahren Charlottenburgs Anlaufstelle für Promis. Nach wie vor trifft sich hier das „who is who“ des Westens. An den Wochenenden lohnt es sich bei Wasserpfeife, Bauchtanz und Mezze im Marooush das Nachtleben Kairos in der Nähe des Ku’damms zu erleben.

Das bedeutet aber nicht, dass es im Osten der Stadt nichts Spannendes zu entdecken gibt. The Grand Berlin, beliebte Bar und auch Restaurant ist ein angesagter Szenetreffpunkt, allerdings ist es nicht immer leicht zu gut frequentierten Zeiten Einlass zu finden. Das einstige Communal Armenschule steht unter Denkmalschutz und wurde sowohl sensibel als auch glamourös dekoriert. Chesterfield Sofas und ein handgefertigter Kronleuchter, der über zwei Etagen reicht, sind optische Highlights. Umfunktonierte ehemalige Schulen scheinen in Berlins Restaurant- und Bar-Szene in zu sein. Auch die ehemals jüdische Mädchenschule in der Auguststraße wurde erfolgreich der Gastronomie zugeführt. Eine Reminiszenz an die Historie ist ein integriertes koscheres Restaurant.

Manufakturen sind eines der wichtigsten Merkmale Berlins, sie geben dieser Stadt ein eigenes Gesicht. Überall in der Stadt kann man kleine Manufakturen finden, die Tradition und Qualität in die Gegenwart transportieren. Einige gibt es seit über 100 Jahren, während andere- dem Trend der Technik-Start-Ups zum Trotz, einen neuen kleinen Betrieb ganz klassisch aufbauen. Hier wird Handwerk zelebriert und die daraus resultierenden Produkte sind immer etwas ganz Besonderes. Die Bandbreite der gebotenen Produkte und Stile ist vielfältig. Es fällt tatsächlich schwer, sich zwischen den eleganten Lederarbeiten von Daniel Heer und den traditioneller und ursprünglicher wirkenden Produkte aus der Werkstatt von Leevenstein zu entscheiden. Der Duft von Leder erfüllt die Räume hier wie dort und Handarbeit lässt sich in beiden Manufakturen live erleben.

Shoppen improvisiert: Berlin-Mitte

Shoppen improvisiert: Berlin-Mitte

Unter Kaiser Wilhelm I. stand die Likörfabrikation in Berlin in voller Blüte. Aus der damaligen Versuchs- und Lehranstalt für Spiritusfabrikation ging die Preussische Spirituosen Manufaktur hervor und ist heute die letzte ihrer Art in der Stadt. Zugleich Manufaktur und Museum, kann man hier den preußischen Geist feiner Spirituosen erleben. Von Gin und Wodka bis hin zu Obstbränden und Likören werden in kleiner Menge Genüsse der Extraklasse produziert, welche man nur schwer außerhalb der Stadt findet.

Wiedervereinigungsfeier vor dem Reichstag

Wiedervereinigungsfeier vor dem Reichstag

Ursula Wünsch zaubert mit ihrer kleinen Spielzeug Manufaktur nicht nur bei den Kleinen ein Lächeln ins Gesicht. Die Spielzeuge aus Holz verbinden den Spaß mit der Integration Behinderter, ohne einen mahnenden Zeigefinger zu heben. Die wunderbaren Spielsachen entstehen in ihrer Werkstatt im Prenzlauer Berg. Der Duft von Holz und ein Meer bunter Farben versetzen jeden wieder zurück in die Kindheit. Es lässt sich staunen, ausprobieren und einen Kurztrip in die eigene Kindheit machen. Eine echte Besonderheit der Berliner Mode findet man in Jünnemann’s Pantoffeleck. Die traditionellen Pantoffeln und Hausschuhe umweht ein Hauch von Nostalgie. Neben dem gelb und braun karierten Klassiker aus Kamelhaar gibt es auch Modelle aus Plüsch und Venere. Der Charme des Ladengeschäfts, die sofort spürbare über 100-jährige Geschichte und die Bodenständigkeit der Produkte sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Küche für die Bundesfilmpreisverleihung in der Staatsoper Unter den Linden.

Küche für die Bundesfilmpreisverleihung in der Staatsoper Unter den Linden.

Die beeindruckende Bandbreite der Berliner Flohmärkte bietet für jeden das Passende. Mit leeren Händen von einem dieser Märkte zurückzukehren, ist unwahrscheinlich. Während sich der Mauerpark jeden Sonntag in eine Art Volksfest verwandelt und vor allem junges Publikum die Gänge durchstreift, geht es ein paar Straßen weiter, am Arkonaplatz, sehr viel gesetzter zu. Im jungen Friedrichshain kann man am Boxhagener Platz ein Weilchen in den Schätzen stöbern, um es sich danach in einem der vielen studentischen Cafés gemütlich zu machen. Seit 1973 gibt es den Flohmarkt in der Straße des 17. Juni, der damit auch offiziell der Älteste ganz Berlins ist. Von Antiquitäten über Kunst bis hin zum typischen Trödel findet sich hier nahezu alles, was das Herz begehrt, und wenn man nicht genug Geld dabei hat, kann man an vielen Ständen auch mit Karte zahlen. Der Trödelmarkt am Marheinekeplatz spiegelt die Atmosphäre des hippen Kreuzbergs und seinem Bergmann-Kiez wider. Auf dem recht kleinen Flohmarkt findet man zwischen alten Schallplatten, Second-Hand-Mode und selbst gefertigten Kleinigkeiten immer wieder wahre Schätze. Die Flohmärkte sind so verschieden wie die Kieze, in denen sie liegen: Von begehrten Sammlerstücken bis hin zu staubigem Krempel findet sich dort alles.

Mauerpark, Prenzlauer Berg

Mauerpark, Prenzlauer Berg

Wenn man auf der Suche nach besonderen Kulturerlebnissen ist, lässt Berlin ebenfalls keine Wünsche offen. Im Film Café kann man alle 14 Tage bei einem großartigen Kinofilm frühstücken. Mit gerade einmal 30 Sitzplätzen ist das kleinste reguläre Kino Berlins ein Geheimtipp. Das Hexenkessel Hoftheater ist nur eines der vielen kleinen Ensembles, die überall in der Stadt ihre liebevoll inszenierten Stücke für Groß und Klein darbieten. Die Atmosphäre der ständig wechselnden Spielorte wird auf wunderbare Weise eingefangen und sind zum festen Bestandteil der Aufführungen geworden. Ein Highlight bei gutem Wetter ist zweifellos die riesige Karaoke Party von Joe Hatchiban im Mauerpark. Begeisterungsfähiges Publikum demonstriert sein Können. Längst gibt es Stammkunden, die bereits Kultstatus erreicht haben, weil sie fast jeden Sonntag das gleiche Lied vortragen. Ab und zu verirren sich auch bekannte Musiker auf die kleine Bühne … Das Kulturangebot Berlins ist vielfältig und immens groß! Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendwo in der Stadt etwas wirklich Außergewöhnliches geboten wird.

Das Jüdische Museum

Das Jüdische Museum

Berlin moves! Mit steigender Dynamik erfindet sich auch die lebhafte Kunstszene der Stadt permanent neu. Abseits von den großen, international renommierten Museen, passiert eine unfassbare Menge in Sachen Kunst. Von Pop-Up Galerien über Stücke weltberühmter Street-Artists bis hin zu umfangreichen Privatsammlungen. Der besondere Elan Berlins lockt Künstler aus der ganzen Welt, das Stadtbild auf allen Ebenen zu bereichern. Ein weiters Highlight ist ganz sicher der von Christian Boros erworbene Bunker. In den 90er Jahren diente das architektonische Monstrum vor allem als PartyLocation für die Techno-Szene. Seit 2007 ist der Umbau des Bunkers zum privaten Museum abgeschlossen. Mit einer entsprechenden Voranmeldung hat man die Möglichkeit, Christian Boros’ beeindruckende Sammlung zeitgenössischer Werke ganz in Ruhe zu genießen.

"Lange Nacht der Museen", Lustgarten, Berlin-Mitte

„Lange Nacht der Museen“, Lustgarten, Berlin-Mitte

Ein S-Bahn Ring umschließt den großzügigen Stadtkern Berlins mit seinen vielen Bezirken. Lange Zeit war der Außenbereich eine Art Tabuzone für die gehobene Gastronomie und den exklusiven Einzelhandel. Doch auch diese Grenze ist längst überschritten. Immer mehr kleine Restaurants bieten eine fantastische Küche und wissen auch sonst durch besondere Details zu überzeugen. Ein Geheimtipp ist die versteckt gelegene Hafenküche. Das schlichte Gebäude liegt direkt in einer Marina an der Rummelsburger Bucht. Eine ständig wechselnde Karte bietet eine hervorragende Küche, die vornehmlich auf regionalen Produkten basiert. Während man sich im Winter am Kamin wärmt oder im Sommer direkt am Wasser sitzt, kann man seinen Blick auf der Spree und dem verlassenen Riesenrad des ehemaligen Vergnügungsparks im Plänterwald ruhen lassen. Bei passendem Wetter ist der vor Ort zusammengestellte Picknickkorb für das gemietete Motor- oder Ruderboot das Tüpfelchen auf dem „i“. Solche gastronomischen Perlen wie die Hafenküche finden sich in allen Randbereichen des Stadtkerns. Die Entwicklung der autark wirkenden Berliner Kieze kümmert sich nicht um Topografie. Wie es nun einmal so ist, bei einer Stadt, die bewegt und immer in Bewegung ist.

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